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Zinseszins einfach erklärt: Formel, Beispiel und Strategie

Der Zinseszins ist der Grund, warum ein langer Atem beim Sparen mehr bringt als jede einzelne gute Aktie. Deine Erträge werfen selbst wieder Erträge ab, und je länger das läuft, desto steiler wird die Kurve. Auf dieser Seite erkläre ich die Formel, rechne ein Beispiel über 20 Jahre durch und zeige, warum die Laufzeit der wichtigste Hebel ist.

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Lieber direkt rechnen? Trag Startkapital, Sparrate, Zinssatz und Laufzeit ein und sieh Endkapital, Zinsertrag und die Entwicklung Jahr für Jahr sofort – mit Tabelle und Diagramm, alles lokal im Browser.

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Was ist der Zinseszins?

Zinseszins heißt: Die Zinsen, die dein Geld erwirtschaftet, werden wieder angelegt und werfen im nächsten Jahr selbst Zinsen ab. Aus dieser Wiederanlage entsteht ein exponentielles Wachstum statt eines linearen. In den ersten Jahren ist der Effekt klein, weil die Basis klein ist. Mit jedem Jahr wächst der Sockel, auf den Zinsen anfallen, und irgendwann übersteigt der jährliche Zinsertrag deine eigene Sparrate. Genau das ist der Punkt, an dem dein Geld mehr für dich arbeitet als du selbst einzahlst.

Bei einem Aktien-ETF entsteht der Zinseszins über Kurssteigerungen und wiederangelegte Ausschüttungen. Ein thesaurierender ETF legt die Erträge automatisch wieder an, ein ausschüttender nur, wenn du die Ausschüttungen selbst reinvestierst. Wichtig ist der lange Atem: Der Zinseszins belohnt Geduld, nicht Timing.

Die Zinseszins-Formel

Für eine einmalige Anlage ohne Sparrate gilt die klassische Formel. Kommt eine monatliche Sparrate dazu, ergänzt sie der Term für eine vorschüssige Rente (Sparrate jeweils zu Periodenbeginn):

Endkapital = Startkapital × (1 + i)n
           + Sparrate × [ ((1 + i)n − 1) / i ] × (1 + i)

i = Zinssatz je Periode (Jahreszins ÷ 12 bei monatlicher Gutschrift)
n = Anzahl der Perioden (Jahre × 12 bei monatlicher Gutschrift)

Der Faktor (1 + i) am Ende des Sparraten-Terms steht für die vorschüssige Zahlung: Du zahlst die Rate zu Beginn der Periode ein, sie verzinst sich also noch in derselben Periode mit. Genau so rechnet auch der Zinseszinsrechner im Modus „monatlich".

Rechenbeispiel: 100 Euro im Monat über 20 Jahre

Nehmen wir die Voreinstellung des Rechners: 1.000 Euro Startkapital, 100 Euro monatliche Sparrate, 7 Prozent Zins pro Jahr, 20 Jahre Laufzeit, Zinsen monatlich gutgeschrieben. So sieht das Ergebnis aus:

PositionBetrag
Eingezahltes Kapital (1.000 € + 240 × 100 €)25.000 €
Zinsertragrund 31.435 €
Endkapital nach 20 Jahrenrund 56.435 €

Du zahlst über 20 Jahre 25.000 Euro ein und hast am Ende rund 56.435 Euro. Mehr als die Hälfte des Endkapitals stammt also nicht aus deinen Einzahlungen, sondern aus dem Zinseszins. Genau dieser Hebel wird mit jedem zusätzlichen Jahr größer: Würdest du dieselbe Rate 30 statt 20 Jahre durchhalten, läge das Endkapital schon bei rund 131.000 Euro.

Die Zeit ist der wichtigste Hebel

Nicht die Höhe der Sparrate entscheidet am meisten, sondern die Laufzeit. Wer mit 25 statt mit 35 anfängt, kauft sich zehn zusätzliche Jahre Zinseszins. Diese zehn Jahre am Anfang sind durch keine spätere Erhöhung der Sparrate aufzuholen.

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Monatlich oder jährlich verzinst: Was ist der Unterschied?

Bei monatlicher Gutschrift wird ein Zwölftel des Jahreszinses jeden Monat berechnet und sofort mitverzinst. Dadurch liegt der effektive Jahreszins über dem nominalen: Aus 7 Prozent nominal werden rund 7,23 Prozent effektiv. Dazu kommt, dass deine Sparraten im Monatsmodus früher im Jahr angelegt sind und so länger arbeiten. Beides zusammen sorgt dafür, dass derselbe Sparplan monatlich gerechnet ein höheres Endkapital liefert als die gröbere Jahresrechnung – im Beispiel oben rund 56.435 statt 53.064 Euro.

Für einen ETF-Sparplan ist „monatlich" die realitätsnähere Annahme, weil du jeden Monat kaufst und der Markt laufend verzinst. „Jährlich" passt eher zu Festgeld oder einer einmaligen Jahresgutschrift. Wenn du verschiedene ETF-Strategien für deinen Sparplan vergleichen willst, hilft der Vergleich MSCI World gegen FTSE All-World bei der Auswahl des passenden Welt-ETF.

↓ die Fragen, die am häufigsten gegoogelt werden

Häufige Fragen zum Zinseszins

Wie berechnet man den Zinseszins?

Für eine einmalige Anlage gilt: Endkapital = Startkapital mal (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Mit monatlicher Sparrate kommt ein Rentenbarwert-Term dazu. Der Zinseszinsrechner übernimmt beide Teile und rechnet zusätzlich die monatliche Verzinsung korrekt mit ein.

Welcher Zinssatz ist beim Zinseszinsrechner realistisch?

Für einen breit gestreuten Aktien-ETF wird langfristig oft mit 6 bis 8 Prozent pro Jahr vor Steuern gerechnet, das entspricht der historischen Durchschnittsrendite globaler Aktienindizes. Für Tagesgeld oder Festgeld liegt der Zins aktuell eher bei 2 bis 3,5 Prozent. Rechne lieber vorsichtig und ohne Inflation gedacht.

Ist der Zinseszinseffekt bei einem ETF-Sparplan steuerfrei?

Nein. Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt Abgeltungssteuer an, bei thesaurierenden Fonds jährlich die Vorabpauschale. Der Zinseszinsrechner zeigt die Brutto-Entwicklung ohne Steuern. Wie viel die jährliche Vorabpauschale ausmacht, kannst du im Vorabpauschale-Rechner nachrechnen.

Mein Fazit

Der Zinseszins ist kein Trick, sondern Mathematik plus Geduld. Wer früh anfängt, regelmäßig spart und nicht in den ersten mageren Jahren aufgibt, lässt am Ende den größeren Teil der Arbeit dem Markt machen. Der Zinseszinsrechner ist dafür dein Schnell-Check: Trag deine Zahlen ein, dreh an der Laufzeit und sieh, wie stark die letzten Jahre den Unterschied machen.

Bookmark den Rechner gerne und rechne deinen Sparplan einmal im Jahr neu durch. Für die größeren Themen rund um ETFs, Dividenden und Depot-Aufbau findest du die Einordnung in den Musterdepots und im Renditerezept-Blog.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung im Sinne des §34f GewO. Der Rechner liefert eine vereinfachte Modellrechnung mit konstantem Zinssatz, ohne Steuern, Gebühren und Inflation. Tatsächliche Kapitalmarktrenditen schwanken und können auch negativ sein. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Für deine individuelle Situation ist gegebenenfalls ein Steuer- oder Anlageberater die richtige Anlaufstelle.